Die Geschichte unseres Hauses

Aufgestellt von Klaus Nagel im Oktober 2016


Ein geschichtlicher Abriss der Klostermühle Gräfinthal ist sehr schwierig, da sie in früheren Aufzeichnungen selten erwähnt wurde. Man kann aber davon ausgehen, dass sie mit der Geschichte des Klosters eng verbunden und die erste Mühle schon zu Gründerzeiten entstanden ist. Wie das Kloster selbst, war die Mühle vermutlich ursprünglich in Holzbauweise errichtet und in den Jahrhunderten mehrmals geplündert, zerstört und wiederaufgebaut worden.

Die Mühle selbst lag ein wenig abseits von der eigentlichen Klosteranlage. Der Mühlenstandort war gut gewählt, da er an einer natürlichen Geländestufe lag, also etwas tiefer als das Geländeniveau. Betrieben wurde sie über den Letschenbach, der vermutlich angestaut wurde und durch einen Mühlengraben das Mühlenrad antrieb. An die Mühle waren das Gräfinthaler Hofgut und der zum Kloster gehörende Neuhof gebannt, während es den Leuten von Bliesmengen-Bolchen freigestellt war hier zu mahlen.

In der Blütezeit des Klosters, Anfang des 18. Jahrhundert, hat Pfarrer Touba beim Wiederaufbau vom Kloster Jahreszahlen aufgelistet, die er auf den Gebäuden entdeckt hatte. Leider ist hier die Mühle nicht aufgeführt. Auf einem Grundrissplan aus dem Jahre 1731, gezeichnet nach einer Vorlage des „Perspectivischen Abrisses“, ist die Mühle selbst nicht abgebildet, aber ein Pfeil zeigt den Weg zur „Mühl“. Man kann davon ausgehen, dass die Mühle zu diesem Zeitpunkt (nach Wiederaufbau nach dem 30jährigen Krieg) aus Stein gebaut war.

Die sogenannte Öl- und Mahlmühle war verpachtet, zumeist mit dem Gräfinthaler Hof zusammen.

Als Pächter des Hofgutes im 18. Jahrhundert sind bekannt:

1728 Becker Franz (14.11.1728: Franz Becker, Villicus Gräfinthal, Pate bei Maria Blasius, Bolchen)
1739 Weber Peter <EB 2286> (1739: Peter Weber oo Catharina Bast, der Hofmann zu Gräfinthal)
~1740 – ~1750 Lauer Johann Jakob <EB 1334> (er wurde auch der „alte Hofmann“ genannt)
1754 Strasser Caspar <EB 2187> (1754: Caspar Strasser, Hofbeständer im Kloster Gräfinthal)
1754 – ~1770 Meyer Mathias, später seine Witwe <EB 1522>
~1771 – 1789 Vogelgesang Johann <EB 2236> (1789 bei seinem Tod wird er als Villicus in Gräfinthal angegeben und vorher bei verschiedenen Patenschaften)
1789 – ~1793 Vogelgesang Johann, jr. <EB 2236.5>

Diese Pächter auch „Hofmann“ oder „Villicus“ (Verwalter eines Gutes) genannt, hatten vermutlich die Mühle unterverpachtet. Deswegen ist es sehr schwierig, die Namen der Müller festzustellen.

Nach der Auflösung des Klosters im Jahre 1785 gehörte die Anlage dem Stift St. Sebastian in Blieskastel. Ab dem Jahre 1793 bis etwa 1803 wurde das Hofgut Gräfinthal von dem Hofbeständer Jakob Stalter und seinem Schwiegervater dem Hofpächter Johann Hauter bewirtschaftet.

Aus dieser Zeit ist auch der Müller der Gräfinthaler Mühle bekannt. Es war Anton Wirtz, der etwa 1742 in den Niederlanden geboren wurde und am 17.11.1767 in Loutzviller die Maria Magdalena Leichnam heiratete. Am 11.08.1787 wird seine Frau als Patin im Kirchenbuch Bliesmengen genannt, als Ehefrau von Anton Wirtz, Müller in Gräfinthal. Auch beim Tod seiner Frau am 24.02.1803 wird er als Müller in Gräfinthal angegeben. Er war demnach schon vor 1787 bis etwa 1803 Müller der Gräfinthaler Mühle.

1803 – Im April 1803 begann die Ausleerungskommission der Französischen Republik die Kirchengüter zu versteigern, um die Staatsschulden zu verringern. Im Dezember 1803 kamen die Güter des ehemaligen Klosters Gräfinthal dran, die zum Zeitpunkt der Versteigerung dem Stift St. Sebastian in Blieskastel gehörten und Johann Jacob Hager Pächter war, der eine jährliche Pacht von 2400 Franken bezahlte. Steigerer des Gräfinthaler Klostergutes war am 29.12.1803 Philipp Cetto aus St. Wendel, zu einem Preis von 60.000 Franken.

1804 – Kaufte der Fabrikant Johann Baptist Mathieu die beträchtlichen, aber in Verfall geratenen Klosterbaulichkeiten in Gräfinthal und richtete dort eine Seidenfabrik ein, die aber kurze Zeit später wieder den Betrieb einstellte. Um die alte Wallfahrtskirche vorm gänzlichen Verfall zu schützen, ließ er 1809 den Chorraum als Kapelle umbauen. Wunschgemäß wurde er nach seinem Tod in der Kapelle in Gräfinthal am 17. März 1842 beigesetzt. Mathieu war von 1816 bis 1820 Bürgermeister von Saargemünd.

1842 – Laut Akt des Notars Longuet vom 19. August 1842 hat Franz Theodor Fabry Ehefrau Gertrauda geb. Mathieu das Gräfinthaler Gut mit allen Gebäuden und der Kapelle aus dem Nachlass ihres Vaters Johann Baptist zum Erbteil erhalten.

Die Gebäude auf
Plan-Nr. 5339: Mahlmühle mit 2 Mahl- u. einem Schälgang, sowie Ölmühle
Plan-Nr. 5340a: Das Herrschaftshaus, Scheuer, Schweineställe, Brennerei
Plan-Nr. 5343: Wohnhaus, Backhaus, Stallung, Schoppen, Schweineställe, Pferdeschwemme, Taubenhaus, Scheuer
Plan-Nr. 5344: Kapelle


1858 – Im Jahre 1858 kaufte der Ökonom und Hofbeständer Betram Mauel die Hälfte laut Akt des Notars Boulanger zu Saargemünd vom 28. September 1858 um 17.033 Gulden 20 Kreuzer von den Erben des Theodor Fabry und die andere Hälfte laut Akt des Notars Hennequin zu Metz vom 25. August 1858 von den Erben von dessen Ehefrau Gertrauda geb. Mathieu um 17.033 Gulden 20 Kreuzer mit insgesamt 144,77 Tagwerk. Beide Akten registriert zu Blieskastel am 23. November 1858.

1861 – Betram Mauel verkauft das Gräfinthaler Gut mit all seinen Gebäuden und der Kapelle mit insgesamt 126,265 Tagwerk laut Akt des Notars Guttenberg vom 18. November 1861 um 30.000 Gulden an die Eheleute Nikolaus Selzer und Susanne Meiers aus Wahlen bei Merzig. Am 21. Februar 1862 kamen die Familie Selzer mit acht Kindern sowie der älteste Sohn Mathias mit seiner Ehefrau Margaretha Riehm, nach Gräfinthal.

1864 – In diesem Jahr ist die Mühle abgebrannt. Das geht aus einem Kreis-Amtsblatt der Pfalz aus dem Jahre 1866 hervor, in dem eine Abrechnung der Brandversicherungs-Anstalt der Pfalz für das Jahr 1865 abgedruckt ist. Das Verzeichnis beinhaltet die Brandentschädigungssummen, welche nach Inhalt voriger Abrechnung am 31. Dezember 1864 noch auszuweisen sind. Somit hat Nikolaus Selzer, Gräfinthalermühle, Gemeinde Bliesmengen eine Brandentschädigung von 1551 Gulden und 50 Kreuzer erhalten.
Wenn man von der Höhe der Entschädigung ausgeht, war die Mühle vermutlich durch den Brand völlig zerstört und musste von Grund auf neu errichtet werden. Man kann davon ausgehen, dass die heutige Bausubstanz größtenteils vom Wiederaufbau nach dem Brand 1864 stammt.

1868 – In den Jahren 1868 bis 1879 wurde das ganze Areal mit den Gebäuden in Gräfinthal auf die Kinder von Nikolaus Selzer und Susanna Meiers aufgeteilt. Somit kam das ehemalige Kloster erstmals an verschiedene Besitzer.
Die Mühle mit Wohnhaus, Scheuer und Stall auf Plan-Nr. 5339a mit Plan-Nr. 5339b (Gras- u. Pflanzgarten) und 5341 ½ hat Philipp Selzer laut Akt vom 22. Oktober 1868 von seinem Vater Nicolaus Selzer um 2100 Gulden erstanden.

Philipp Selzer war von Beruf Müller und sicherte somit den Betrieb der Mühle.

1905 – Laut Erbschein des königlichen Amtsgericht Blieskastel vom 20. Juni 1905 sind infolge Ablebens der Ehefrau Kath. Selzer geb. Schweißthal der Ehemann Philipp Selzer und der gemeinsame Sohn Nikolaus Eigentümer der Mühle.

1913 – Nikolaus Selzer hat laut Urkunde des Notariats Blieskastel das Mühlenanwesen aus dem gemeinsamen Besitz seines Vaters um 2400 Mark erhalten.

1918 – Kutsch Johann und seine Ehefrau aus Wiesbach haben laut Urkunde des Notariats Blieskastel vom 13. Juli 1918 die Mühle mit Zubehör von Nikolaus Selzer, Schreiner in Saargemünd, mit weiteren Grundstücken um 8000 Mark erkauft.

Johann Kutsch betrieb der Mühle bis in die Tage des II. Weltkrieges (bis etwa 1940), sie diente als Schrotmühle. Im Krieg zerfiel das Mühlenrad, das sich im Innenbereich am linken Giebel der Mühle befand. Die Mahlsteine wurden nach dem Krieg zum Auffüllen des Geländes vor dem Gebäude verwendet und der Mühlgraben wurde zugeschüttet.

1942 – Kutsch Oskar Eheleute haben laut Urkunde des Notariats Blieskastel vom 27. November 1942 Plan-Nr. 5339 mit Wohnhaus, Stall und Scheuer sowie weitere Plan-Nummern von Kutsch Johann Eheleute erhalten.

Oskar Kutsch ist am 23. September 1945 in russischer Gefangenschaft gestorben. Somit war seine Witwe Besitzerin des Anwesens. Sie heiratete am 03. November 1950 Rudolf Herrmann. Er baute in den 1950er Jahren das ehemalige Mühlengebäude um. Der Mühlenbereich, der sich links des Gebäudes befand, wurde zur Scheune umgewandelt. Scheune und Stall wurden Kellerräume und Wohnbereich. Der Hauseingang wurde auf die rechte Giebelseite verlegt und der ehemalige Eingang zu einem Fenster zugemauert und dieser Bereich zu einem Zimmer umgewandelt.

Hofbeständer/ Hofpächter im 19. Jahrhundert:

~1793 – ~1803 Hauter Johann <EB 745>, Stalter Jakob <EB 2149>
~1803 – ~1804 Hager Johann Jakob <EB 722.4>
~1813 – ~1825 Niederländer Johann Nikolaus <EB 1702>
~1826 – ~1834 Schwartz Nikolaus Christoph, Hofbeständer und Müller <EB 2037>
~1843 – ~1844 Berner Paulus, Hofbeständer und Müller <EB 142>
~1845 – ~1853 Müller Philipp <EB 1606>


Müller der Gräfinthaler Mühle:

~1787 – ~1803 Wirtz Anton <EB 2328>
1795 Wilbert Friedrich <EB 2322>
1804 Bubel Wilhelm <EB 307>
~1816 – ~1821 Beck Nikolaus <EB 101>
~1826 – ~1834 Schwartz Nikolaus Christoph, Hofbeständer und Müller <EB 2037>
~1843 – ~1844 Berner Paulus, Hofbeständer und Müller <EB 142>
~1856 – ~1858 Atzeroth Friedrich <EB 60>
~1859 – ~1861 Sommer Paul <EB 2136>
1868 – 1913 Selzer Philipp <EB 2114>
1918 – 1940 Kutsch Johann <EB 1235>


Übersicht der Besitzer der Gräfinthaler Mühle:

vor 1785 Kloster Gräfinthal
1785 – 1803 Stift St. Sebastian in Blieskastel
1803 – 1804 Cetto Philipp aus St. Wendel
1804 – 1842 Mathieu Johann Baptist aus Saargemünd <EB 1491>
1842 – 1858 Fabry Franz Theodor Ehefrau Gertrauda geb. Mathieu <EB 1491.1>
1858 – 1861 Mauel Betram <EB 1495>
1861 – 1868 Selzer Nikolaus <EB 2112>
1868 – 1913 Selzer Philipp <EB 2114>
1913 – 1918 Selzer Nikolaus <EB 2119>
1918 – 1942 Kutsch Johann, Eheleute <EB 1235>
1942 – 1945 Kutsch Oskar, Eheleute <EB 1235.8>
1945 – 1950 Kutsch Emma, Witwe
1950 – 2007 Herrmann Rudolf
2007 – 2014 Herrmann Peter
2014 – Wagner Daniel